Upload-Filter: Wikipedia abgeschaltet – Kritik von Internet-Pionier

Heute, am 21. März 2019, bleibt Wikipedia als Protest gegen Artikel 13 der neuen EU-Urheberrichtlinie abgeschaltet. Währenddessen hat der US-Internet-Pionier Jaron Lanier wegen ihres Protestes gegen vermeintliche Upload-Filter kritisiert.
Lanier sieht Netzaktivisten als die besten Verbündeten der milliardenschweren Tech-Unternehmen. In einem fiktiven Dankesbrief des Silicon Valley an die Protestierenden, die am kommenden Samstag gegen die Reform des EU-Urheberrechts demonstrieren wollen, schreibt er: „Eure geistige Verwirrung ist unsere Goldmine“. Abgedruckt hat ihn die „Zeit“.
Weiter heißt es in dem Schreiben, aus dem die Agentur dts zitiert: „Und das Schönste ist, dass Ihr nicht wahrhaben wollt, wie Ihr manipuliert werdet; Ihr, unsere Opfer, seid unsere engsten Verbündeten.“ Die Debatte um technische Filter sei völlig fehlgeleitet: „Danke, danke, danke, dass Ihr so tut, als würde uns die EU-Urheberrechtsrichtlinie dazu zwingen, zum allerersten Mal Filter einzusetzen. Wie irre, dass diese Verdrehung der Tatsachen vielleicht von genug Leuten geschluckt wird, um die Reform am Ende scheitern zu lassen.“
Die Unternehmen befänden sich stattdessen längst „in einem epochalen Wettrennen um künstliche Intelligenzen“, wofür sie jede Menge Daten bräuchten. „Wie angenehm, dass wir“ – die Unternehmen – „für diese Daten nicht bezahlen müssen!“ Wer gegen ein effektives Urheberrecht sei, zeige sich einverstanden damit, dass kalifornische Internetgiganten die Daten für die Künstliche Intelligenz von morgen nutzen, so Lanier.
Den Protesten gegen Artikel 13 der neuen EU-Urheberrichtlinie angeschlossen, hat sich die deutschsprachige Online-Enzyklopädie Wikipedia, die allerdings selbst von Artikel 13 nicht betroffen ist. „Die geplante Reform könnte dazu führen, dass das freie Internet erheblich eingeschränkt wird. Selbst kleinste Internetplattformen müssten Urheberrechtsverletzungen ihrer Userinnen und User präventiv unterbinden (Artikel 13 des geplanten Gesetzes), was in der Praxis nur mittels fehler- und missbrauchsanfälliger Upload-Filter umsetzbar wäre“, heißt es in einer Erklärung auf der schwarzen Startseite.
Die Protestaktion ist unter den Autoren der Online-Enzyklopädie nicht unumstritten. Von den 4931 abstimmungsberechtigten Autoren haben sich nur 215 an dem „Meinungsbild“ beteiligt. 146 stimmten für die Blockade, 69 dagegen.

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