Telemedienauftrag: 16 Verbände gegen "uferlose Ausweitung"

16 Verbände der audiovisuellen Branche haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an die Ministerpräsidenten der Länder gegen die „uferlose Ausweitung des Telemedienauftrags des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zulasten einer vielfältigen Medienlandschaft in Deutschland“ gewandt.
Insbesondere kritisieren sie in ihrem Schreiben die geplante Ausweitung der Verweildauern von audiovisuellen Inhalten in den Mediatheken im Telemedienauftrag. Über die Vorschläge zur Novellierung des Telemedienauftrags soll auf der Ministerpräsidentenkonferenz vom 18. bis 20. Oktober final entschieden werden. Hintergrund des Appells der Filmbranche ist ein Vorschlag der Rundfunkkommission der Länder, den Telemedienauftrag beträchtlich auszuweiten.
Der Vorschlag der Rundfunkkommission der Länder sieht vor, die gesetzlich vorgegebene Verweildauern von audiovisuellen Inhalten in öffentlich-rechtlichen Mediatheken beträchtlich auszuweiten. So sollen Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender künftig zeitlich weitgehend unbegrenzt und auch auf Plattformen von Drittanbietern, wie YouTube oder Facebook, zur Verfügung gestellt werden können. Die Filmwirtschaft befürchtet, dass diese Änderungen den Substitutionswettbewerb zwischen kostenlosen Mediatheken und kommerziellen Video-on-Demand-Portalen weiter anheizt. Damit würden zukunftsfähige Online-Märkte wegbrechen und die Finanzierung und Auswertung von Filmen ernsthaft beschädigt.
„Es werden bisher ausschließlich und einseitig die Interessen der öffentlich-rechtlichen Sender bedient und mit wohlfeilen Expertenmeinungen aus der Wissenschaft gestützt“, so Alfred Holighaus, Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO), die den Appel maßgeblich organisiert hat. Es ist bereits der zweite Appell der Filmbranche in dieser Sache (siehe News vom 11. August 2017), doch hat sich der Kreis der Unterzeichner erweitert. Auch vier Mitgliedsverbände der Initiative Urheberrecht sind dabei: die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok), der Berufsverband mediamusic, der Bundesverband Regie (BVR) und der Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD).
Für den VDD ist entscheidend, dass die Geschäftsmodelle der Autoren nicht gefährdet werden und die Ausweitung der Einstellzeiten in den Mediatheken nur gegen Zahlung einer angemessenen Vergütung erfolgen darf, heißt es auf seiner Website. Allerdings sind die Autorenvergütungen in dem Brief an die Ministerpräsidenten mit keinem Wort erwähnt – im Unterschied zum ersten Appell vom August 2017.
In ihm hatten die Filmschaffenden beklagt, dass für die vorgesehenen längeren Einstellungsdauern in den Mediatheken keine angemessene zusätzliche Vergütung für Urheber und Rechteinhaber erfolgen soll. Dies hatte die Initiative Urheberrecht bereits in ihrer Stellungnahme zur Online-Konsultation „Telemedienauftrag“ kritisiert: „Dies ist für die Kreativen nicht hinnehmbar“ (siehe News vom 6. Juli 2017). Seit Jahren fordert die Initiative die Mediathekennutzung angemessen zu vergüten (siehe News vom 17. Juni 2015).

Kategorie: